Toskana Thermen – traditionelle Badekultur der Römer Über die Geschichte und Natur einer Auswahl von heißen Quellen in der Toskana. Wo kommt die Heilkraft her? Für was ist das gut? Wo und wie kommt man an die Quellen? Dazu Tipps für Ausflüge und Wein. Viel Spaß!

Über die Geschichte und Natur einer Auswahl von heißen Quellen in der Toskana. Wo kommt die Heilkraft her? Für was ist das gut? Wo und wie kommt man an die Quellen? Dazu Tipps für Ausflüge und Wein. Viel Spaß!
3. September 2015 | Von | Kategorie: Italien, Reisetipps
Wunderschöne Toskana - Foto: Pixabay, CC0

Wunderschöne Toskana – Foto: Pixabay, CC0

Weil insbesondere der nördliche Teil Italiens über zahlreiche natürliche Thermalquellen verfügt, hat die Badekultur in der Region eine Tradition, die Jahrhunderte weit in die Vergangenheit zurückreicht: Die Römer hatten diese Kultur von den Etruskern übernommen und zur Perfektion geführt. Und auch heute zählen heiße Quellen zu den gern frequentierten Zielen der Urlaubsgäste. Verschiedene Heilquellen haben sich sogar zu einem wichtigen Faktor für den Tourismus entwickelt, wie es etwa bei Meran in Südtirol der Fall ist. Doch auch die Toskana hat verschiedene warme Quellen zu bieten, die unter Italienurlaubern bisweilen sogar als absolute Geheimtipps gehandelt werden. Folgende natürliche Thermen in der Toskana laden zum Verweilen und Entspannen ein.

Bagno Bignoni in Val d’Orcia

Nahe der bekannten Weinbaustadt erwartet die Gäste in der Provinz Siena, genauer gesagt im Ort Val d’Orcia mit der Bagno Vignoni eine Thermenperle der besonderen Art. Allerdings handelt es sich hierbei um natürliche Thermalquellen, die für die Öffentlichkeit nur eingeschränkt zugänglich sind. Denn ein großes Thermalbecken befindet sich im Herzen des mittelalterlichen Ortsteils Bagno Vignoni.

Bagno Vignoni © H. Adler Thermae

Dieses Bad wurde schon von den Etruskern und Römern genutzt und auch der Politiker Lorenzo de Medici hatte sich hierher zurückgezogen, um seine Leiden zu kurieren. Weil das Wasser dieser Heilquellen reich an Bicarbonat und Sulfat ist, wirkt es sich nämlich wohltuend bei Beschwerden an Haut, Knochen und Gelenken aus. Das Baden im großen Thermalbecken ist allerdings seit 1989 nicht mehr erlaubt.

Die Gäste der Region brauchen trotzdem nicht auf den Besuch in der Thermalquelle zu verzichten. Das größte nutzbare Thermalbecken befindet sich im Wellness-Hotel Adler Thermae und ist den Gästen des Hotels vorbehalten. Daneben gibt es unterhalb der Ortschaft ein weiteres Thermalbecken, das jedermann kostenlos offen steht, jedoch relativ schwer zugänglich ist. Die Besucher müssen entweder einen relativ steilen Abstieg hangabwärts in Kauf nehmen oder sie fahren auf der SS2 ins Tal und können das Becken von hier aus erreichen.

Die Wellness-Landschaft im Hotel Adler Thermae

Die Wellness-Landschaft im Hotel Adler Thermae erstreckt sich im Innen- und Außenbereich über eine Fläche von rund 1.000 Quadratmeter. Das Thermalwasser mit einer Temperatur von 36 Grad speist hier ein Becken mit halbolympischen Ausmaßen sowie zahlreiche weitere Pools und Bäder. Diverse Relaxzonen und Saunen runden das Angebot für den ganzjährigen Wellness-Genuss gelungen ab.

die Thermen vom Hotel Adler mit olympischen Ausmaß

Fantastischer Ausblick – © H. Adler Thermae

Heilkraft aus dem Schoß der Erde

Die heilkräftige Wirkung erhält das Wasser in Bagno Vignoni in den Tiefen des Erdreiches. Denn während das Regenwasser tiefer und tiefer ins Erdreich sickert, wird es mit Mineralstoffen und Schwefelverbindungen, die aus dem Kalkgestein gelöst werden, angereichert. Schließlich erreicht das Wasser in einer Tiefe von etwa 1.000 Metern vulkanische Schichten. Hier wird das Wasser mit weiteren wertvollen Elementen angereichert und erwärmt, sodass es an der Oberfläche schließlich mit einer Temperatur von rund 50 Grad wieder aus dem Schoß der Erde tritt.

Bagni San Filippo

Das kleine Thermalbad San Filippo liegt in der malerischen Ortschaft Castiglione d’Orcia nahe der bekannten Weinbaustadt Montepulciano und gilt als älteste natürliche Heilquelle, die vom Menschen genutzt wird. In der Antike dürfte es sowohl den Etruskern als auch den Römern wohlbekannt gewesen sein, während es auch in der beginnenden Neuzeit, als die Bäderkultur neu entdeckt wurde, von den Mächtigen genutzt wurde.

Montepulciano San Biago - © Pixabay, CC0

Montepulciano San Biago – © Pixabay, CC0

Die natürliche Heilquelle entspringt dem Gestein mit einer Temperatur zwischen 25 und 52 Grad und fließt als „Rio Bianco“ durch das Tal, wobei das in der Nähe eines Wellnesshotels gelegene Thermalschwimmbad permanent mit heißem Wasser gespeist wird. Das Baden und Relaxen in 38 Grad warmem Wasser ist zwischen Mai und November möglich.

Die heilkräftige Wirkung des Wassers

Das Wasser aus der Heilquelle ist reich an Sulfat, Kalzium, Schwefel und Magnesium. Genutzt wird es nicht nur für Bäder, sondern auch für Inhalationen, Fango-Bäder, eine Feinsprüh-Nasendusche und die Aerosoltherapie. Eine wohltuende Wirkung sollen diese Anwendungen auf Nerven, Knochen, Gelenke und Haut sowie den Hals-Nase-Ohren-Bereich inklusive Lungen und Bronchien haben. Zwar sind die Thermen direkt an das benachbarte Hotel angeschlossen, jedoch gibt es auch einen separaten Zugang für externe Gäste, die sich beispielsweise in einem Ferienhaus oder einer Ferienwohnung einquartiert haben.

So haben die Thermen ihren Namen bekommen

Benannt wurden die Thermen Bagni San Filippo nach dem heiligen Philipp Benizi, der sie anno 1271 erstmals schriftlich erwähnte. Der Geistliche war eigentlich dazu ausersehen, zum Papst gewählt zu werden. Er hatte die religiöse Einsiedlerei jedoch vorgezogen und lebte in der Nähe des heutigen Ortes, in dem damals noch unzugänglichen Tal und wurde heiliggesprochen, weil er zu den Erneuerern des Servitenordens zählte.

Montecatini

Mehr als zwei Millionen Besucher werden alljährlich in Montecatini Therme nahe des Ortes San Miniato zwischen Florenz und Pisa gezählt. Damit ist dieser Kurort eines der größten und wohl auch berühmtesten Heilbäder in Italien. Darüber hinaus ist Montecatini als eines der Zentren des Jugendstils bekannt, der seine Blütezeit an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert erlebt hatte.

Montecertini Thermalbad © Pixabay, CC0

Insgesamt gibt es in Montecatini Therme zahlreiche Ferienhäuser und Ferienwohnungen sowie neun Badeanlagen, sodass die Wünsche jedes Gastes bestmöglich erfüllt werden können. Direkt an die Thermalbäder schließt sich ein weitläufig angelegter Park an, in dem die Kurgäste flanieren können. In den Badeanstalten werden Heilbehandlungen bei Stoffwechselproblemen sowie Erkrankungen des Verdauungstraktes durchgeführt, etwa Darm-, Leber- und Magenproblemen. Linderung versprechen die Heilquellen außerdem bei Gefäß- und Herzleiden. Neben den Bädern erwarten die Kurgäste außerdem Massage- und Fangoanwendungen. Geprägt wird das Gesicht des Kurzentrums vor allem von den drei Kurhäusern „Excelsior“, „Leopoldine“ und „Tettuccio“ in denen schon Puccini seine Kuraufenthalte genoss.

Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung in Montecatini

Eine Vielzahl an Shoppingmöglichkeiten sowie diverse Sehenswürdigkeiten runden den Kuraufenthalt in Montecatini, wo regelmäßig ein internationales Publikum verkehrt, gelungen ab. Als besonders sehenswert gilt etwa die Tropfsteinhöhle Grotta Maona, die etwa 1,5 Kilometer außerhalb des Ortes liegt. Dabei handelt es sich um Italiens einzige Höhle, in der sich zwei unterirdische Seen befinden. Die Tropfsteinhöhle wurde 1860 entdeckt und 15 Jahre später für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Geöffnet ist sie zwischen 1. April und 15. Oktober, also während der Hauptsaison des Bädertourismus in Montecatini.

Gambassi Therme

Bei der 4.800-Einwohner-Gemeinde Gambasso Therme zwischen Florenz und Pisa in der Nähe des Ortes San Miniato handelt es sich um einen der jüngsten Kurorte Italiens. So erhielt Gambassi Therme den begehrten Status erst anno 1977 dank der Thermalquelle Pillo.

Das Wasser der Quelle ist reich an Salz, Sulfat und Natron und ist außerdem sehr erd- und alkalihaltig. Heilanwendungen werden bei Erkrankungen des Verdauungssystems, aber auch bei Gallenleiden, einer chronischen Gastritis, Krämpfen, Entzündungen und Katharren durchgeführt. Geöffnet ist das Thermalbad, welches sich im Herzen eines Parks mit uralten Bäumen und exotischen Pflanzen befindet, zwischen April und Oktober. Kenner vergleichen das Wasser in Gambassi Therme gerne mit Vichy oder den Heilquellen von Montecatini.

© Leo Rivas-Micoud / unsplash.com (CC0)

© Leo Rivas-Micoud / unsplash.com (CC0)

Aber auch das lokale Klima begünstigt den Kuraufenthalt in Gambassi Therme. So schätzen die Kurgäste den Ort und seine Umgebung für seine reine und trockene Luft, welche durch einen leichten Windhauch abgekühlt wird. Deshalb wird Gambassi Therme auch während der Sommermonate sehr gerne besucht. Weil der Ort und seine Umgebung reich an Kulturgütern ist, schätzen die Kurgäste auch Stippvisiten und Ausflüge in die nähere und fernere Umgebung, beispielsweise nach San Gimignano, die toskanische Stadt der Türme. Und auch Kururlauber, die ihren Aufenthalt mit kulinarischen Genüssen krönen wollen, kommen in Gambassi Terme auf ihre Kosten. Beispielsweise können sie bei einer Fahrt in Richtung Cartaldo unterwegs Schaumwein, der nach der Champagner-Methode erzeugt wurde, kosten und ein paar Flaschen als Erinnerung an ihren Kuraufenthalt in Gambassi Therme mit nach Hause nehmen.

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