Im Herbst sind Schatzsucher an der Ostsee genau richtig. In stürmischen Nächten wird zwischen Algen, Seetang und Treibgut auch Bernstein an den Strand getragen. Frühaufsteher haben gute Chancen auf die begehrten Funde. Bernstein fasziniert uns Menschen seit jeher, handelt es sich doch um keinen Stein im eigentlichen Sinne, sondern um das versteinerte Harz urzeitlicher Wälder.

Wo kommt Bernstein her?

Obwohl sie hart sind und die bräunlichen Bröckchen wie Steine aussehen, sind sie es nicht. Tatsächlich besteht Bernstein aus dem fossilen Harz von Nadelbäumen, entstanden im Tertiär, vor etwa 50 Millionen Jahren.

Bild: Andy Choinski auf Pixabay

Das Harz wurde über Jahrmillionen unter der Erde steinhart. Die größten Vorkommen befinden sich in einem „Blaue Erde“ genannten Schwemmsandgebiet bei Kaliningrad in Russland. Auch in Polen und dem Baltikum ist der begehrte Baltische Bernstein anzutreffen.

Warum bewegt sich Bernstein in Wasser?

Während der Eiszeiten wurden die Bernsteinschichten durch Gletscherbewegungen verschoben. Da Bernstein ein geringes Gewicht besitzt, hat die Meeresströmung dafür gesorgt, dass Sie ihn heute auch an den Küsten von Ost- und Nordsee finden können.

Tobt der Sturm, wird der Meeresgrund aufgewühlt. Dadurch wird Torf gelöst. Darin hat sich der Bernstein abgelagert. Wer am Strand größere Torfbrocken entdeckt, sollte genauer hinsehen. Dort lassen sich oft beachtliche Funde machen.

Bild: Jürgen Schilke auf Pixabay

Sie fragen sich vielleicht, warum Bernstein so gut in Wasser treibt. Der Schmuckstein ist nur wenig dichter als Wasser. Kaltes Salzwasser besitzt eine höhere Dichte. So kann Bernstein einfacher an die Oberfläche steigen und im Wasser treiben.

Durch das geringe Gewicht kann Bernstein einfach durch Wellen und Strömungen an die Strände getragen werden. Dort versteckt er sich zwischen Muscheln, Seegras, kleinen Holzstücken und anderem Treibgut.   

Bernstein oder nicht – worauf Sie achten sollten

Am Strand lassen sich verschiedene Steine finden. Bernstein ist viel leichter als ein herkömmlicher Stein und glänzt in der Sonne. Bernsteine können verschiedene Farben aufweisen. Am häufigsten ist das fossile Baumharz bräunlich bis honiggelb. Manchmal kann Bernstein auch hellgelb bis rötlich schimmern oder sogar beinahe weiß aussehen.

Ob Ihre Schatzsuche erfolgreich war, können Sie ganz leicht anhand einfacher Tests herausfinden. Klopfen Sie mit dem Stein sanft an Ihre Zähne. Bernstein klingt eher dumpf, während die ähnlich aussehenden gelblichen Feuersteine einen deutlich härteren Klang erzeugen. Wollen Sie direkt am Fundort überprüfen, ob es wirklich Bernstein ist, reiben Sie die Steine an Ihrer Kleidung oder packen sich ein Wolltuch dafür ein. Haben Sie echten Bernstein gefunden, wird dieser nach seiner elektrostatischen Aufladung Staub oder kleine Papierschnipsel anziehen.

Bild: Stefan Melchert auf Pixabay

Ein sicheres Erkennungszeichen liefert auch der Salzwasser-Test. Vermischen Sie einen Liter Wasser mit etwa 100 Gramm Salz. Werden normale Steine in die Lösung gegeben, sinken sie sofort zu Boden. Auch Glas, das Sie vielleicht versehentlich für Bernstein hielten, wird untergehen. Echter Bernstein treibt dagegen an der Oberfläche.

Auch der Geruchstest hilft Ihnen weiter. Wenn Sie eine erhitzte Nadelspitze an den Stein halten und dieser riecht angenehm nach Harz und Kiefernnadeln, hat sich die Schatzsuche gelohnt. Haben Sie eine UV-Lampe zur Hand, wird echter Bernstein an seinen Bruchstellen ein bläulich-grünes bis neongrünes Licht abgeben.

Achtung Verwechslungs- und Verletzungsgefahr

Die Suche nach Bernstein ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Viele Urlauber merken zu spät, dass sie anstatt Bernstein Phosphor in ihren Hosentaschen mit sich herumtragen. Ab Temperaturen um 20 Grad Celsius ist Phosphor entzündlich und schwere Brandwunden können die Folge sein.

Die gefährlichen Funde sind vergleichsweise selten. Optisch lassen sich Phosphor und Bernstein allerdings nur schwer voneinander unterscheiden. Daher ist es ratsam, Ihre Fundstücke nicht einfach in der Jeans verschwinden zu lassen, sondern in einem verschlossenen Einmachglas zu sammeln und daheim oder in der Ferienunterkunft angekommen die beschriebenen Tests durchzuführen.

Bernsteinsammeln leicht gemacht – unser Guide für Schatzsucher

Wer beim Bernsteinsammeln Erfolg haben möchte, muss das optimale Timing abpassen und die richtigen Fundorte aufsuchen. Am besten stehen die Chancen für Bernsteinfunde nach einem Sturm. Diese sind im Herbst oder Winter besonders stark. Die Winde müssen bevorzugt aus Nordost kommen oder aus Osten heran wehen. Dabei wird das Wasser aus den Meerestiefen an den Strand gedrückt.

Bild: Andreas Riedel auf Pixabay

Bernsteinsucher sind im Herbst und Winter besonders erfolgreich. Das Wasser kühlt dann ab und erreicht bei vier Grad Celsius seine größte Dichte. Bernstein ist nur geringfügig schwerer als Salzwasser und wird in der kalten Jahreszeit viel leichter an Land gespült.

Wenn Sie nach Bernstein suchen, werden Sie diesen nur äußerst selten einfach im Sand liegen sehen. Suchen Sie stattdessen nach Holzresten, Muschelschalen oder Seetang. Bernstein weist eine ähnliche Dichte wie diese Materialien auf und lagert sich genau dort auch ab.

Es kann auch hilfreich sein, einen engmaschigen Kescher dabei zu haben, wenn Sie auf Bernsteinsuche gehen. Manchmal taucht Bernstein auch im Flachwasser auf und schimmert dort neben anderen kleinen Steinen hervor.

Bernsteine suchen: Wo lohnt es sich wirklich?

Sehr gut stehen die Chancen auf Bernsteinfunde an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Wer in der Region Fischland-Darß-Zingst seinen Urlaub verbringt, kann an den Stränden schnell fündig werden. Häufig wird Bernstein auch an die Küsten von Usedom, Rügen oder Hiddensee gespült. An den Küsten Schleswig-Holsteins werden Bernsteinsucher dagegen häufig enttäuscht, es gibt hier kaum Vorkommen.

Bild: Norbert Waldhausen auf Pixabay

Auch an der Nordseeküste können Sie Bernstein finden. Bei einer Wattwanderung vor St. Peter-Ording oder Büsum sollten Sie die Augen offenhalten. Auch die Strände der Ost- und Nordfriesischen Inseln sind gute Fundgebiete.

Bernstein erleben

Vielerorts werden Führungen angeboten. Unter fachkundiger Anleitung ist es viel einfacher, auf Bernstein zu stoßen und den Schmuckstein sofort an Ort und Stelle zu bestimmen. In den Herbst- und Wintermonaten steht auf dem Veranstaltungskalender der Seebäder neben geführten Bernsteinsuchen auch die Verarbeitung der Fundstücke. Dabei ist es möglich, aus dem gefundenen Bernstein ein individuelles Schmuckstück herzustellen.

Bild: Gaby Stein auf Pixabay

Möchten Sie sich über Bernstein informieren und faszinierende Fundstücke bestaunen, kann Ihnen der Besuch des Deutschen Bernsteinmuseums in Ribnitz-Damgarten empfohlen werden. Die größte Ausstellung dieser Art in Deutschland hat im einstigen Klarissenkloster ihren Standort gefunden. Unter den etwa 1.600 Exponaten befinden sich Bernsteine mit Insekten und anderen faszinierenden Einschlüssen. Sie können einen um 1740 in Ostpreußen gefertigten Kabinettschrank aus Bernstein bestaunen oder verschiedene Schmuckstücke bewundern. Wenn Sie am Strand nicht fündig geworden sind, können Sie sich im Museumsshop mit rohem oder bereits zu Schmuckstücken verarbeitetem Bernstein eindecken.    

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