Die Insel Rügen zählt zu den bedeutendsten Rastplätzen für Kraniche in Europa. Die Vögel lassen sich im Frühjahr und Herbst beobachten. Zwischen Mitte September und Ende Oktober machen zehntausende Vögel auf dem Weg in ihre Winterquartiere hier Station. Sie suchen auf den abgeernteten Feldern nach Nahrung und ziehen sich in die Flachwassergebiete zum Schlafen zurück. Sie können die Kraniche auf eigene Faust beobachten oder an geführten Wanderungen und Bootsfahrten teilnehmen.

Kraniche auf Rügen

Jahr für Jahr kehren die Kraniche auf Rügen ein. Auf der Insel gibt es zahlreiche abgeerntete Getreidefelder und viele flache und geschützte Bodden- und Wiekbereiche, die den Vögeln als Unterschlupfmöglichkeit dienen und vor Dachsen, Füchsen, Mardern und Wildschweinen Schutz bieten.

Die meisten auf Rügen rastenden Vögel stammen aus skandinavischen Ländern. Sie sind auf dem Weg nach Spanien, Frankreich oder Nordafrika. Die Vögel besitzen Flügelspannweiten von bis zu 2,4 Metern und sind in der Lage 2.000 Kilometer ohne Zwischenstopp zurückzulegen. Üblicherweise fliegen Kraniche täglich nicht mehr als 100 Kilometer. Sie können bis zu 65 Kilometer pro Stunde schnell durch die Lüfte segeln.

Bild von Georg Wietschorke auf Pixabay

Sie werden auf Rügen den Eurasischen Kranich und den Grauen Kranich antreffen. Der Graue Kranich ist europaweit geschützt und gilt als besonders gefährdet. Die bis zu sechs Kilogramm schweren Tiere zählen zu den größten in Europa vorkommenden Vogelarten.

Achtung Verwechslungsgefahr

Die scheuen Vögel lassen sich nur aus der Ferne beobachten. Dabei können Kraniche leicht mit Graureihern verwechselt werden. Graureiher sind kleiner als Kraniche. Während Kraniche ein seidig-graues Federkleid besitzen, sind Graureiher an der Oberseite mittelgrau gefärbt. Die Unterseite ist grauweiß.

Oftmals teilen sich Kraniche das Rastgebiet mit Wildgänsen. Beide zeigen ein keilförmiges Flugbild. In der Luft können Sie Kraniche gut von Wildgänsen unterscheiden. Die Vögel segeln häufiger durch die Luft und schlagen währenddessen kaum mit den Flügeln.

Wann ist die beste Zeit, um Kraniche zu beobachten?

Für die Vogelbeobachtung eignen sich die Morgen- und Abendstunden am besten. Frühaufsteher werden beobachten können, wie sich die Kraniche zu ihren Nahrungsgebieten auf den Weg machen. Am Abend kehren die Vögel zu ihren Schlafplätzen im Flachwasser zurück.

Halten Sie in jedem Fall Abstand, um die scheuen Tiere nicht zu verschrecken. Mit einem guten Fernglas und einer Kamera mit Zoom sind Sie bestens gerüstet, um die Tiere zu beobachten.

Ummanz, Bild von Jürgen auf Pixabay

Kraniche auf Rügen beobachten: die besten Orte

Reisen Sie im Herbst auf die Insel Ummanz, stehen die Chancen gut, Kraniche aus nächster Nähe zu beobachten. In Tankow wurde ein hölzernes Beobachtungshaus aufgestellt. Dieses ist rund um die Uhr frei zugänglich und bei Vogelfreunden sehr beliebt. Hier überblicken Sie die angrenzenden Salzgraswiesen und Boddengewässer. Am Abend kann der Anflug der Kraniche auf die Schlafgebiete beobachtet werden.

Wenn Sie mehr über Kraniche auf Rügen erfahren möchten, besuchen Sie die Kranichausstellung in der Ummanz-Information in Waase. Dort werden auch regelmäßig geführte Vogelbeobachtungen angeboten.

Im Süden Rügens wird die Halbinsel Zudar gern von Kranichen angeflogen. Auf der beschaulichen Halbinsel sind die Tiere auf den Feldern und in den ruhigen Küstenbereichen weitgehend ungestört und Sie haben beste Voraussetzungen für Vogelbeobachtungen.

Führt Sie Ihr Urlaub an die Westküste der Insel, finden Sie am Kubitzer Bodden und den nahen Flachwasserzonen einen gut einsehbaren Beobachtungspunkt. Besonders beeindruckend: Kurz vor Sonnenuntergang fliegen hunderte Kraniche zu ihren Schlafplätzen im Bodden.

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Kraniche auf dem Wasserweg beobachten: Kranichfahrten

Die Kranichbeobachtung wird zu einem ganz besonderen Erlebnis, wenn Sie sich für eine Kranichfahrt entscheiden. Ab Mitte September legen die Boote in Breege ab. Die Fahrzeit beträgt etwa drei Stunden. Von Schaprode aus bietet die Reederei Hiddensee Beobachtungsfahrten an.

Die Schiffe verfügen über einen nicht überdachten Sitzbereich im Freien. Es empfiehlt sich, Mütze und Handschuhe im Gepäck zu haben. Da die Bänke nicht gepolstert sind, kann Ihnen auch ein mitgebrachtes Sitzkissen gute Dienste leisten. Wer sich den Wind nicht um die Ohren wehen lassen möchte, kann sich im Innenbereich einen informativen Film über die Kranichzeit auf Rügen anschauen. Über Lautsprecher wird der Ton in den Außenbereich übertragen, sodass auch Outdoor-Fans nichts verpassen. Haben Sie kein Fernglas dabei, können Sie es sich auf dem Schiffen ausleihen.

Am Zielgebiet Spyker und Martinshafen angekommen, werden Sie mit freier Sicht auf die über das Schiff zu den Schlafplätzen fliegenden Kraniche belohnt. Im Schilf werden Sie auch noch andere Tiere entdecken, beispielsweise Damwild. Einen Bilderbuch-Sonnenuntergang gibt es gratis dazu.

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Kraniche mit Respekt beobachten

Es spricht nichts dagegen, Kraniche auch auf eigene Faust zu beobachten. Halten Sie dabei aber unbedingt großen Abstand. Schon in einer Entfernung von 300 Metern fühlen sich die Vögel gestört und treten die Flucht an. Dass sich ein Kranich gestört fühlt, erkennen Sie daran, dass er den Kopf hebt. Wenn die verängstigten Vögel hektisch auffliegen, verbrauchen sie wertvolle Energie, die sie für ihren Weiterflug nach Süden benötigen.

Nutzen Sie nur offizielle Wege und die ausgewiesenen Plattformen, um die Kraniche zu beobachten. Das Betreten von Feld- oder Wirtschaftswegen in den Rückzugsgebieten der Vögel ist tabu. Hunde gehören während einer Vogelwanderung unbedingt an die Leine. Verhalten Sie sich ruhig, während Sie die Vögel beobachten. Laute Geräusche jagen den Vögeln schnell einen Schrecken ein.

Kraniche lassen sich auch gut aus dem eigenen Fahrzeug beobachten. Lassen es Helligkeit und Witterung zu, fahren Sie ohne Licht. Haben Sie einen ausgewiesenen Parkplatz erreicht, verlassen Sie Ihr Fahrzeug nicht. Verwenden Sie beim Fotografieren kein Blitzlicht. Dies würde die Vögel verschrecken. Teleobjektive von mindestens 400 Millimeter Brennweite erlauben tolle Erinnerungsfotos.

Bild von Georg Wietschorke auf Pixabay

Kraniche hautnah

Kraniche lassen sich auf Rügen nicht nur live beobachten, Sie können auch viel über die faszinierenden Vögel lernen. Dazu empfehlen wir einen Abstecher auf das Festland. Unweit von Stralsund öffnet das NABU-Kranichzentrum am Günzer See seine Pforten. September und Oktober können Sie zwischen 9 und 18 Uhr das Kranorama besuchen. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Beobachtungsstation verraten spannende Informationstafeln viel über die „Tänzer des Nordens“.

Übrigens können Kraniche auf Rügen nicht nur im Frühjahr und Herbst gesichtet werden. Mit etwas Glück begegnen Ihnen die Vögel auch im Winter. Etwa 20 Kraniche trotzen Schnee und Eis und haben sich die Insel als Winterquartier ausgesucht. Als Pärchen oder in Kleingruppen lassen sie sich am winterlichen Himmel ausmachen.

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