Meine Granadareise

1. August 2012 | Von | Kategorie: Spanien, Urlaubsgeschichten


Ankunft in Granada 
am Busbahnhof. „Hier gibt es den günstigsten und leckersten Bio-Schafskäse aus Cordòba, und zwar bei diesem Aldi!“ höre ich Rafael rufen, der begeistert auf das Klotzgebäude in der Nähe zeigt.

In mir schon bekannter Hässlichkeit ragt der deutsche Riesenkonzern sein Haupt in die kühle Nachtluft. „Das heißt Córdoba“, korrigiere ich schmunzelnd und wir machen Halt um uns den Käse und Turron, eine spanische Weihnachtssüßspeise, dessen Name allein mir im weiteren Verlauf der Reise das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen wird, zuzulegen.

Granada (© InterDomizil GmbH)

Granada (© InterDomizil GmbH)

Mein erster Eindruck von Granada: modern, klotzig, groß (dieser Eindruck ist Aldi zu verdanken) aber irgendwie auch gemütlich. Außerdem riecht die Luft so frisch.
Warum hier keine Smokluft die Lungen und Nasenlöcher der Bewohner einräuchert, wie es in europäischen Städten oft der Fall ist, erfahre ich, als wir Rafaels Freund Juan besuchen gehen. Sein Wohnort, mit direktem Blick über ganz Granada und auf die Stadtburg „Alhambra“, liegt fünf Minuten vom arabischen Viertel Albaycín in einer der vielen am Hang verstreuten Höhlen.

In diesen, schon seit langer Tradition genutzten Höhlen, haben sich verschiedenste Menschen ein Zuhause gestaltet, dessen Komfort von ein-Zimmmer-ohne-Wasser-und-Strom bis hin zu richtigen unterirdischen Luxusvillen mit Blick über das Tal reicht.

Hier ist man mitten in der Natur, und mir fällt auf, wie wenig Straßenverkehr in der Stadt vor meinen Füßen zu sehen ist und dass Granada alles andere als groß ist.

Nach dem hektischen Treiben und Autobahnstress in Madrid kommt mir dieser Ort wie ein Ruhetempel vor. In den verwinkelten Gassen begegnet man häufig lächelnden Menschen, darunter viele Studenten und Touristen.


Granada Palme (© InterDomizil GmbH)

Granada Palme (© InterDomizil GmbH)

Was mir besonders gut in Granada gefällt, ist die Möglichkeit schnell an ruhige Orte zu gelangen und sich gleichzeitig in einer lebhaften Stadt zu befinden. Man kann von den Gassen im Albaycín innerhalb kürzester Zeit zu Fuß in die Natur gelangen, und an der imposanten Alhambra vorbei den Wald im Gebirge erreichen um wandern zu gehen.

Eine sportliche Natur ist für die vielen Treppen und das steile bergauf Gehen in diesem Teil Granadas schon von Nöten. Nur eine Autostunde entfernt befindet sich die andalusische Küste, das Ski-Gebiet in den Sierra Nevadas liegt 2 Stunden entfernt.
Für die, die Lust auf Menschenrummel, Flamenco oder spanische Tapas haben, gibt es eine Menge Bars, Cafés und Restaurants zu finden. Eine Bar im alten Viertel Albaycín, dessen Name mir entfallen ist, bietet zum Beispiel ein Bier plus fünf verschiedene Köstlichkeiten vom Tapas-Buffet für zwei Euro an.

Wenn man sich durchfragt ist diese Bar recht schnell ausfindig zu machen, denn sie ist für ihr Essen bekannt und zum Treffpunkt für Spanier, Erasmusstudenten und Stadtbesucher geworden. Dementsprechend voll ist der Laden und man kommt sofort ins Gespräch mit Sitz- oder Stehnachbarn. Auch kulturell geht es in Granada bunt zu: von den traditionellen Flamenco-Shows abgesehen gibt es viele Konzerte und Kunstausstellungen.
Ich bin äußerst überrascht, als ich bei einem Konzert plötzlich einer alten Freundin aus Griechenland wieder begegne, die an der Uni in Granada Kunst studiert. Granada ist ein beliebter Ort für sogenannte „Erasmus“-Studenten, die hier ein Auslandsjahr verbringen.

Granadas kleine Gässchen (© InterDomizil GmbH)

Granadas kleine Gässchen (© InterDomizil GmbH)

Straßenmusik darf ich hier nur machen, wenn ich ein Papier zur Erlaubnis im Rathaus bekomme, ansonsten würde das Instrument eingezogen und auf der nächsten Auktion versteigert werden.

Natürlich machen trotzdem viele Musik oder präsentieren Zirkusshows, ob mit ob ohne Schein, und gucken eben ein bisschen genauer nach herumlungernden Polizisten. Schließlich muss man sich bei den Schwierigkeiten hier Arbeit zu finden, die seit der Finanzkrise auch in Spanien zugenommen hat, irgendwie sein Geld verdienen.

Das denkt sich die Stadt wohl auch, wenn sie Gesetze erlässt, in denen dem unidentifiziertem Künstler sein teuerstes Gut entrissen wird. Um es nicht all zu polemisch auszudrücken: Der ganz normale Wahnsinn ist überall zu finden.

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