Marokko mit Rucksack

10. Februar 2015 | Von | Kategorie: Marokko, Urlaubsgeschichten

Marokko mit dem Rucksack zu erkunden bedeutet, sich von einem quirligen, geschäftstüchtigen, landschaftlich sowie menschlich überaus faszinierenden Land mitreißen zu lassen.Meine Reise sollte mich durch dieses so kontrastreiche nordafrikanische Land mit seinen imposanten Königsstädten im Norden, dem unterteilten Atlasgebirge im Landesinneren, der Sahara, die sich vom Süden bis in den Osten erstreckt, bis hin zu den Strand- und Hafenstädten im Westen am Nordatlantik führen. Ich erlebte hier eine sich wandelnde, stolze Moderne, die sich mit Bus, Bahn, streckenweise mit Esel oder am bequemsten mit dem Auto bereisen lässt.

Die Reise beginnt

Zu zweit starten wir mit Air France gegen Nachmittag von Hamburg aus. Mit einem Zwischenstopp in Paris und einer Flugzeit von insgesamt 5 Stunden landen wir am späten Abend in Casablanca.

Viele Touristen verweilen in dieser geschäftigen Großstadt nur zu den An- und Abreisetagen, um Geschäftsbeziehungen zu pflegen oder nutzen den Aufenthalt, um die beeindruckende und direkt am Meer gelegene Moschee Hassan II oder das größte Kaufhaus Afrikas, die „Morocco Hall“ (ebenfalls direkt am Meer) zu besuchen. Wir entscheiden uns für ein paar Tage mehr, um mit ausgedehnten Spaziergängen das Treiben dieser ca. 4,1 Mio großen Stadt etwas genauer zu verstehen.

Uns werden aufgeschlossene, gut gebildete junge Mütter, selbstbewusste, moderne sowie traditionelle Frauen, sportliche Marokkaner, viele verschiedene Ethnien, Berge von Oliven, etliche Satellitenschüsseln auf den Dächern und die beste Schneckensuppe der Welt in Erinnerung bleiben.

Marrakesch: Marktplatz und Medina

Ganz anders ist das nicht weniger geschäftstüchtige Marrakesch zu beobachten. Hier finden wir, typisch für Nordafrika, erstmalig eine Medina (ursprüngliche Altstadt umgeben von einer Stadtmauer) und fast nicht wieder heraus. Die Gässchen und Ecken innerhalb der Medina laden zum Verlaufen ein, steigern aber den Abenteuerfaktor ungemein. Sich hier zu orientieren, heißt, sich neben Menschen zu bewegen, die Richtung Djeema El Fna (dem größten Marktplatz von Marrakesch) eilen, ob auf Eseln, auf Motorrädern oder zu Fuß, vorbei an Obst-, Gemüse-, Fleisch- und Kleidungsständen. Der Djeema El Fna ist eine Ansammlung von Musikern, Geschichtenerzählern, Schlangenbeschwörern, Kaufleuten, Touristen und Ständen voller kulinarischer Köstlichkeiten. Wer sich traut, kann sich hier einmal Schafhirn, das mit Brühe und Innereien serviert wird, probieren.

Abendstimmung auf dem Marktplatz (© InterDomizil GmbH)

Abendstimmung auf dem Marktplatz (© InterDomizil GmbH)

Einen ganz besonderen Charme entwickelt dieser Platz, wenn die Abendstunden anbrechen. Das Licht über dem Marktplatz verzaubert hier nicht nur die ausländischen Touristen. 2001 wurde dieser Platz in die von der UNESCO neu geschaffenen Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Einen beschaulicheren Ruhepol in Marrakesch bietet der Jardin Majorelle. Der von dem mittlerweile verstorbenen Modedesigner Yves Saint Laurent aufgekaufte und liebevoll restaurierte Garten bietet in seinem atemberaubenden Blautönen neben wunderschönen Blumen aus aller Welt eine willkommene ruhige Abwechslung zu dem Markttreiben in der Mitte der Medina.

Die Küstenstadt Essaouira

Surfer, Strandliebhaber oder Bummler, die das Feilschen nicht mögen, sind hier genau richtig. Offen steht einem hier der Marokkaner gegenüber und erstmalig hören wir das „Salam Aleikum“. Weniger religiös als gastfreundschaftlich ist hier das „Friede sei mit Dir“ gemeint. Nach der Begrüßung mit einem Handschlag und dem zum Herz- oder Mundführen der rechten Hand ist einem das Wohlgesonnene gewiss. Auch ist hier die Begrüßung: Handschlag und Küsschen links-rechts-links nicht unüblich. Dabei wird selten zwischen Mann und Frau unterschieden. (Muslime antworten auf diese Begrüßung mit „alaikum us-salām“ = Und auf Euch der Frieden!).

Der Friede sei nicht nur mit einem, er scheint auch in Essaouira geboren. Diese entspannte Küstenstadt mit ihrer Medina ist relativ schnell erkundet und so fühlt man sich hier schon nach kurzer Zeit heimisch. Ein Eintauchen in das gemütliche und gesellige Städtchen fällt nicht schwer. Kontakte zu knüpfen ist ein Leichtes. Ein Plausch auf der Straße oder im Geschäft und schon findet man sich Abends in einer Runde aus Touristen und Landsmännern zu einem redseligen, meist musikalisch untermalten Austausch in der Unterkunft oder einem der vielen Lokale wieder. Musik ist hier überaus wichtig und vielseitig. Unterschiedlichste Stile Afrikas fließen hier in diesem künstlerischen Städtchen zusammen und verbinden Anwohner sowie Reisende aufs Angenehmste.

Wilde Kamele am Meer - © InterDomizil GmbH

Wilde Kamele am Meer – © InterDomizil GmbH

Vom friedlichen Essaouira in das atemberaubende Landesinnere.

Wer sich in die Wüste vorwagen möchte, dem sei ein Tour Guide empfohlen. Verschiedene Tour-Routen von unterschiedlicher Dauer sind möglich (je nach Reisezeit und Gruppenkonstellation). Unsere Tour sollte uns mit einem Mietwagen nach Agdz führen, vorbei an Ait Ben Haddou, vorbei an Ouarzazate, Skoura, Kamelherden am Strand und Ziegen, die in Bäumen verweilen. Das kurvenreiche Auf und Ab im Atlasgebirge sowie das Umgebensein von Bergen und Tälern, Wolken, die zum Greifen nah erscheinen, lassen erstmalig ein starkes Gefühl der Faszination zur Natur dieses Landes aufkommen. Aus den Autolautsprechern dröhnt rhythmische Berbermusik und während man zur Musik klatscht, kommt man hier aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Ait Ben Haddou ist bekannt für seine Kasbah (Lehmbaustadt), die schon vielen Filmen als Kulisse diente. Im Tal des Hohen Atlas liegt dieses beeindruckende Städtchen, das mit den Bergen zu verschmelzen scheint, am Fluss Asif Mellah, der nur im Winter und Frühjahr Wasser führt.

„Berberwhiskey“ und Couscous

Das belebtere Ouarzazete fühlt sich an wie das marokkanische Hollywood. Verschiedene Filmstudios und Museen lassen hier ein untypisches, aber nicht weniger charmantes marokkanisches Flair aufkommen, das besonders in den Abendstunden zu den Mahlzeiten sehr beeindruckend wirkt.

Agdz soll unsere letzte Station vor der Wüste sein, zu der wir es leider nicht schaffen werden, da die Unwetter im November 2014 ein Vordringen in die Wüste in der von uns gewählten Route und Zeit unmöglich machen. Brücken sind überschwemmt, Strassen gesperrt und Kasbahs aus Sicherheitsgründen zum Teil nicht begehbar. Dennoch ist dieser Part der Reise eben durch diese Bedingungen der Intensivste, der es uns ermöglicht, einen authentischen Einblick in das Leben der Einheimischen zu bekommen und aus unvorhersehbaren Situationen zu improvisieren und dabei jederzeit auf die Hilfsbereitschaft der Einheimischen vertrauen zu können.

So lernen wir zum Beispiel die Familie (Vater, Mutter, Schwester und Neffe) unseres Guides Younous kennen. Eine einfache Berber-Familie, die auf dem schönsten Fleckchen, dem Dwar El Makhezan mit Blick über ganz Agdz wohnt. Wir zelebrieren den „Berberwhiskey“ (Minztee) in einer ausführlichen Zeremonie (mehrmaliges, etwas irreführendes Umfüllen der Tassen in die Kanne und wieder zurück, das ganze mit übermäßig viel Zucker) und wir kochen gemeinsam mit der Schwester eines der landestypischen Gerichte: Couscous mit Hähnchen, Gemüse und Süßkartoffeln.

Trotz der Sprachbarrieren ist ein freundliches Miteinander zu spüren und so wird einfach mit „Hand und Fuß“ kommuniziert. Ein Lächeln auf den Lippen ist hierbei der Schlüssel. Wir gehen auseinander mit Geschenken und einem warmen Gefühl für diesen Teil des Landes, für diese einfachen, nicht weniger herzlichen Leute des Landes, die Marokko so märchenhaft gemacht haben.

Von hier aus wird der Rückweg angetreten. Wieder über Casablanca verlassen wir Marokko.

Wir denken „Chuckran“ (Danke) für diese Zeit und Begegnungen und sagen „Salam Aleikum“.

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